Veröffentlicht in Thought Leadership, Nachhaltigkeit.
Peter Zens vom Gertrudenhof: Warum echte Sichtbarkeit mit Haltung beginnt
Von
Matthias Skaletz
am .
Peter Zens, Inhaber vom Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Hürth, im Personal Branding Interview über LinkedIn-Sichtbarkeit, Biodiversität, Mittelstand und Unternehmertum mit Haltung.
Peter Zens ist geschäftsführender Inhaber des Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Hürth bei Köln und führt den Familienbetrieb in dritter Generation. Für dieses Interview war ich einen Vormittag bei ihm am Gertrudenhof – zum Gespräch, zum Fotografieren, zum Mitlaufen durch den Hof. Was Peter Zens dabei erzählt, ist die Geschichte vom Weg der stillen Familienunternehmer-Rolle zur sichtbaren Stimme für Biodiversität, Mittelstand und Unternehmertum mit Haltung – und davon, warum eine echte Personenmarke immer am Schnittpunkt aus Kundennutzen, eigener Stärke und Authentizität entsteht.
- Rolle:
- Geschäftsführender Inhaber Erlebnisbauernhof Gertrudenhof GmbH ·
Vorsitzender Food for Biodiversity e. V. - Themenschwerpunkte:
- Personal Branding für Familienunternehmer · Biodiversität als Wirtschaftsfaktor · Mittelstand mit Haltung · Antizyklisches Krisenmanagement · LinkedIn-Sichtbarkeit
- Wofür er steht:
- Peter Zens steht für die Verbindung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem in der Praxis. Er führt einen Familienbetrieb mit über 100 Mitarbeitenden und 500.000 Besuchern pro Jahr und übersetzt unternehmerische Verantwortung in sichtbare Haltung – auf LinkedIn, auf Bühnen und vor Ort am Gertrudenhof in Hürth.
Sichtbarkeit als Entscheidung: Warum Peter Zens vom Gertrudenhof in die Öffentlichkeit gegangen ist
Frage: Was war der Moment, in dem du dich entschieden hast, mit deinem Gesicht und Namen sichtbar zu werden und nicht im Hintergrund zu bleiben?
Bei der Marke Gertrudenhof sieht man Peter Zens auf den Social-Media-Kanälen eher selten. Der Instagram-Kanal vom Erlebnisgelände hat 140.000 Follower und wird von der Social-Media-Managerin betreut, die täglich zeigt, was es im Hofladen Tolles gibt und warum man genau hierher fahren muss.
Sein persönliches Thema ist ein anderes: Nachhaltigkeit, Unternehmertum und Haltung. „Ich bin nicht Geschäftsführer eines Aktien-Unternehmens, das irgendeinen Quartalsbericht optimieren möchte, sondern ich führe einen Familienbetrieb in dritter Generation weiter. Und ich finde ganz, ganz stark, dass wir als Unternehmer:innen Haltung beziehen müssen, um unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft mitzugestalten.“
Deshalb ist er seit einigen Jahren auf LinkedIn aktiv – obwohl er die Plattform lange als Selbstbeweihräucherung empfand. „Aber dann habe ich gelernt: Alles, was nicht in Medien und auf Social Media stattfindet, hat in der Wahrnehmung nicht stattgefunden. Und eine Meinung, die nicht sichtbar wird, trägt auch nichts bei.“
Sein zentrales Anliegen: Ökonomie und Ökologie zusammen zu denken. Laut Weltwirtschaftsforum hängen über 50 Prozent des weltweiten BIPs in moderatem bis hohem Maße von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen ab – ohne Wasser, ohne Bestäuber, ohne Boden würde unsere Wirtschaft kollabieren.
„Eine Wirtschaft, die nur auf Ökonomie gepolt ist, ist nicht nachhaltig – irgendwann bricht alles in sich zusammen.“
Wendepunkt Corona: Warum Peter Zens den Gertrudenhof antizyklisch neu gebaut hat
Frage: Gab es eine Situation, in der du kurz davor warst aufzugeben und was hat dich weitermachen lassen?
Für Peter Zens war Corona der einschneidende Moment. Vor der Pandemie war der Gertrudenhof ein klassischer Bauernhof mit etwa 30 Mitarbeitenden, Tomatenfest, Spargelfest, Kürbisfest. Mit Corona brachen 70 Prozent des Umsatzes weg. „Alle sagten: Kurzarbeit, entlassen, am besten zumachen.“
Seine Entscheidung war antizyklisch: kein Stellenabbau, sondern Transformation. „Das ist nicht der Weg, wie ich als Unternehmer mit meinen Mitarbeitenden umgehen will.“ Mitten in der Krise entstand das heutige 25.000 Quadratmeter große Erlebnisgelände mit Gnadenhof-Streichelzoo, Spielbereichen und neuen Hofladen-Konzepten. Innerhalb von fünf, sechs Jahren hat sich der Familienbetrieb mehr als verdreifacht – bei Mitarbeitenden, Umsatz und Besuchern.
Beim Thema Personenmarke gibt es immer wieder Momente, die zermürben. „Wenn auf Social Media gerade wieder ein paar Dummschwätzer reden, die das Thema gar nicht verstehen.“ Aber genau das ist der Grund weiterzumachen. „Diese fünf Prozent sind sehr laut. Wenn alle, die wirklich etwas zu sagen haben, nur als Zaungäste zuhören, kommen die richtigen Themen nicht in die Gesellschaft.“
„Antizyklisch handeln heißt: nicht entlassen, sondern Kundennutzen neu erfinden.“
Was Peter Zens vom Wettbewerb unterscheidet: Partnerschaften statt Einzelkampf
Frage: Wenn drei Menschen in deiner Branche dasselbe anbieten wie du – was machst du nachweislich anders, und woran merkt man das?
Wir denken nie nur den ökonomischen Case. Der Gnadenhof-Streichelzoo am Gertrudenhof ist das beste Beispiel. Aus einer geplanten Idee mit 10 bis 20 Tieren sind heute 80 Großtiere und insgesamt 150 bis 200 Tiere geworden – Tiere, die vorher in schlechten Verhältnissen lebten und hier ein Zuhause gefunden haben.
„Hüpfburgen und Spielgeräte findest du überall. Aber so viele verschiedene Tierarten, die zu den Besuchern hingehen, weil sie hier zur Ruhe gekommen sind – das gibt dem Ganzen die Seele.“ Genau das unterscheidet die Marke Gertrudenhof von einem reinen Spielepark.
Wenn Peter Zens etwas Neues plant, schaut er immer auf drei Felder gleichzeitig: Kundennutzen (Was braucht der Markt?), eigene Stärke und Leidenschaft (Was können wir besser als andere?) und Authentizität und Zielbild (Passt das zu uns?). Wo sich diese drei Felder überlagern, da liegt der Punkt, an dem etwas wirklich funktioniert. Genauso ist es bei der Personenmarke.
Was ihn zusätzlich unterscheidet: Partnerschaften statt Einzelkampf. „Vom Einzelkämpfer zum Ökosystem“ heißt einer seiner Vorträge. In VUCA-Zeiten – volatil, unsicher, komplex, ambiguit – kommt man allein nicht weiter. Auf LinkedIn nimmt er nur Kontaktanfragen an, deren Hintergrund er versteht. Nicht Follower-Zahlen sind das Ziel, sondern ein echtes Netzwerk an Menschen, mit denen wirklich etwas entsteht.
„Vom Einzelkämpfer zum Ökosystem – das ist der einzige Weg, der in dieser Zeit noch trägt.“
Die typische Woche: Wie Peter Zens regelmäßig Sichtbarkeit aufbaut
Frage: Wie sieht eine typische Woche aus, in der du an deiner Sichtbarkeit arbeitest? Was machst du regelmäßig, was viele unterschätzen?
Für Peter Zens passiert Sichtbarkeit mittlerweile automatisch – sein Kalender ist ohnehin dicht. Was er bewusst macht: Wenn etwas Besonderes ist – auf der Couch, im Auto, kurz nach einem Event –, spricht er es spontan auf und veröffentlicht regelmäßig drei bis vier Posts pro Woche auf LinkedIn. Das hält das Momentum am Leben und liefert seinen Kontakten echten Mehrwert statt belanglosem Content.
Der Rest entsteht von alleine. Er ist häufiger auf Bühnen, auf Panels, trifft Menschen und daraus entstehen wieder neue Dynamiken. Das, was viele unterschätzen, ist die Pflege dahinter: Nicht jeden Erstkontakt sammeln, sondern bewusst schauen, wo ein gemeinsames Thema ist und dort wirklich Zeit investieren. 300 Erstkontakte ohne Tiefe nützen niemandem.
„Sichtbarkeit ist Disziplin in der Pflege – nicht im Sammeln von Followern.“
Wenn Sichtbarkeit wirklich Wirkung entfaltet: Peter Zens über Resonanz
Frage: Erinnerst du dich an eine Anfrage, Nachricht oder einen Auftrag, der dir gezeigt hat: Es funktioniert wirklich?
„Wenn dir Eckart von Hirschhausen oder die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz eine Kontaktanfrage schicken, ist das ein klares Signal, dass die Themen ankommen.“ Aber für Peter Zens sind die kleinen Momente fast wertvoller – die Anfragen aus dem Mikrokosmos.
Beispiel: Er hat in Köln das Bündnis Biodiversität bei der IHK Köln gegründet. Wenn dann jemand aus Mainz oder München schreibt – „Ich bin in der IHK und würde so etwas auch gerne machen, wo fange ich an?“ –, ist das fast wertvoller. Weil irgendein scheinbar belangloser LinkedIn-Post plötzlich Menschen mit derselben DNA erreicht, die mit gleicher Energie etwas Eigenes aufbauen wollen. Genau dort entsteht Wirkung.
„Wirkung beginnt nicht bei den Großen – sondern bei der nächsten passenden Idee, die jemand aufgreift.“
Rückblick: Was Peter Zens jemandem rät, der heute am Anfang steht
Frage: Was würdest du jemandem heute sagen, der genau da steht, wo du vor drei Jahren standest und was sollte er auf keinen Fall machen?
„Ich maße mir nicht an, anderen Tipps zu geben.“ Peter Zens hat in der Corona-Zeit unter anderem NLP gemacht und einen Satz mitgenommen: „Die Landkarte ist nicht das Gelände.“ Jeder hat seine eigene Landkarte, auf der er sich durch sein Gelände bewegt – und meine ist ehrlich gesagt schon sehr verrückt.
Sein Grundtipp: Triff Entscheidungen so, dass du sie später noch einmal genauso treffen würdest. Wenn du irgendwann auf dein Leben zurückblickst, sollst du sagen können: „Die meisten Entscheidungen würde ich wieder so treffen.“ Das ist für ihn ganz oben auf der Maslow-Pyramide – das Modell, in dem er weiß, wofür er morgens aufsteht, wofür er kämpft, wofür er auch mal etwas aushält. Wenn dieser Kompass da ist, ist auch klar, was du eben nicht tun solltest: Dinge, die diesem Kompass widersprechen, nur weil sie kurzfristig opportun sind.
„Triff Entscheidungen so, dass du sie in zehn Jahren genauso treffen würdest.“
Der eine Satz: Peter Zens über das, was bleiben soll
Frage: Wenn von diesem Interview nur ein einziger Satz hängen bleiben dürfte, welcher wäre das?
Machen.
„Ich höre so oft, was alles nicht klappt. Das blende ich völlig aus. Ich habe eine Vision, ich habe ein Ziel – und dann überlege ich, wie ich da hinkomme. Manchmal braucht der Weg Umwege, aber wenn die Richtung klar ist, kommt man an. Nicht morgen, vielleicht nicht in diesem Quartal – aber man kommt an. Vorausgesetzt: Man fängt heute an.“
„Machen. Vision, Ziel, Weg – und ankommen.“
Beobachtung am Rande: Wie Peter Zens nach außen wirkt
Eine kurze Erzählerstimme von Matthias Skaletz nach dem Interview:
Nach dem Interview, nach dem Shooting, blieb ich auf dem Weg nach draußen noch kurz am Crêpes-Stand auf dem Erlebnisbauernhof Gertrudenhof stehen. Während die Mitarbeiterin meinen Crêpe mit Nutella vorbereitete, kamen wir ins Gespräch. Was sie dann sagte, fasst zusammen, worüber Peter Zens und ich die letzten zwei Stunden gesprochen hatten – nur ehrlicher, als es jedes Interview je könnte.
„Ich hatte noch nie einen so guten Chef wie Peter Zens. Das weiß ich zu schätzen.“
Ein zufälliger Satz, beim Crêpes-Verkauf, völlig ungefragt. Genau die Art von Wirkung, die entsteht, wenn jemand das, was er auf LinkedIn schreibt, im eigenen Unternehmen auch wirklich lebt. Haltung ist eben kein Marketing-Etikett – sie ist das, was die Mitarbeitenden spüren, wenn niemand zuschaut.
Fazit: Sichtbarkeit als Werkzeug für Familienunternehmer mit Haltung
Das Interview mit Peter Zens vom Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Hürth zeigt: Personal Branding ist für ihn kein Marketing-Format, sondern eine Konsequenz. Wer einen Familienbetrieb in die nächste Generation führt, trägt automatisch Verantwortung – für Mitarbeitende, für Region, für Markt. Sichtbarkeit wird dann zum Werkzeug, mit dem genau diese Verantwortung in die richtige Reichweite kommt.
Im Mittelpunkt steht nicht die einzelne Person, sondern das Ökosystem dahinter: Partnerschaften, Initiativen wie Food for Biodiversity e. V. und das Bündnis Biodiversität Köln bei der IHK öffnen Türen, die Peter Zens nutzt, um unternehmerische Haltung in der Wirtschaft zu verankern.
Sein Kerngedanke bleibt: Ökonomie, Ökologie und Soziales sind keine Gegensätze. Eine starke Personenmarke und ein tragfähiges Geschäftsmodell entstehen am Schnittpunkt aus Kundennutzen, eigener Stärke und Authentizität.
Wie dieses Interview entstand
Das Gespräch mit Peter Zens fand im Mai 2026 am Erlebnisbauernhof Gertrudenhof in Hürth statt. Ich war einen halben Tag vor Ort – für das Interview, für die Porträts und für die kleinen Beobachtungen am Rande, die ein Personal-Branding-Bild erst echt machen. Die Reihe „Personal Branding Interviews“ erscheint regelmäßig auf skaletzphotography.de und porträtiert Persönlichkeiten, die Sichtbarkeit nicht als Selbstzweck verstehen.
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